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Fotografie

Anlässlich des 175. Geburtstags der Fotografie richte ich den Fokus – mal nicht auf ein Motiv – sondern auf die Fotografie selbst. Hierbei gehe ich der Frage nach: Was ist Fotografie für mich?

Im Jahre 1826 warf der Franzose Joseph Nicéphore Niépce einen Blick aus seinem Fenster und machte diesen Moment mit einer Camera Obscura und Zinnplatte unvergänglich. In seinem Landhaus in Saint-Loup-de-Varennes im Burgund stellte er die Kamera ans Fenster und belichtete die lichtempfindlich gemachte Platte acht Stunden lang. Nach einem Bad im Lavendelöl war es so weit: „Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras“ – das erste Foto der Welt war entwickelt. Der Anfang einer Geschichte voll von Wundern, Kunst, Schönheit und Erinnerung.

Das Beitragsbild dieses Artikels ist meine „Niépce-Interpretation“ mit dem Namen: „Blick aus dem Arbeitszimmer in Porta Westfalica“. Da mir eine achtstündige Belichtungszeit jedoch etwas zu lang war, wählte ich acht Sekunden ;-)

Fotografie ist …

(eine sehr subjektive Wahrnehmung. Daher gibt die Auflistung nur meine persönliche Meinung wieder.)

Abbildung der Wirklichkeit?

Abgesehen von der monochromen (nicht farbigen) Wiedergabe der Welt, waren die Aufnahmen lange Zeit ein Abbild der Wirklichkeit – könnte man denken! Diese Ansicht ist jedoch sehr naiv und entzieht sich jeglicher Wirklichkeit. Nicht erst mit dem Einsetzen der Digitalen Fotografie sollte man Fotos mit Vorsicht genießen. Man weiß nicht, ob und wie stark die Aufnahme nachträglich bearbeitet wurde. Seit den Anfängen der Fotografie wurden Szenen nachgestellt, wenn beim Event kein Fotograf zur Hand war. Oder im Falle politischer Propaganda wurden Personen oder Umgebungen weg- bzw. reinretuschiert. Es entstanden Fotos, die wenig bis Nichts mit der Wirklichkeit – in dem Moment des Abdrückens – zu tun hatten. Ein bekanntes Beispiel ist das Foto, auf dem Lenin 1920 in Moskau zu Rotarmisten spricht. 13 Jahre nach der Aufnahme ließ Stalin zwei Personen durch Holzstufen ersetzen. Das Regime hatte sich gegen sie gewandt und aus der Partei entfernt.

Dauerhafte Einmaligkeit

Was im ersten Moment paradox klingt, erschließt sich recht schnell: Eine Fotografie zeigt einen einmaligen Moment, der durch das Festhalten (auf Papier oder Festplatte) „künstlich“ verlängert wird. Der kurze Moment, in dem abgedrückt wird, wird für die Ewigkeit festgehalten: Ein Gefühl der dauerhaften Einmaligkeit entsteht. Viele Momente – ganz gleich, ob vom weltgeschichtlichen oder individuellen Wert – wären ohne diese Erfindung längst in Vergessenheit geraten.

Erinnerung

Die Fotografie ist ein Instrument, mit dem man Souvenirs der Zeit erzeugen kann. Die Andenken im Gedächtnis verblassen, der Moment verflüchtigt sich und die Erinnerung ist fort. Aber das Foto bleibt für die Ewigkeit. Mit der Fotografie immer zur Hand, ist es ein Leichtes sich jederzeit jenen schönen, traurigen, intensiven oder einmaligen Moment in Erinnerung zu behalten. Ganz gleich, ob Familienfotos, Urlaubsbilder oder Alters-Etappen des heranwachsenden Kindes: Das Foto wird zur hilfreichen Erinnerung.

Aussagekräftig

Mittels Bilder oder Fotos lässt sich eine Message oftmals leichter und schneller vermitteln. Der Grund liegt in der Evolution des Menschen: Die optische Wahrnehmung ist älter als das Verstehen von Sprache. Ein gutes Beispiel: Die mimische Ausdrucksfähigkeit ist ein mehr als zehn Mal älteres Kommunikationsmittel, als ihr akustisches oder sprachliches Pendant. Ein Blick in die menschlichen Anfänge zeigt, an dem Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, ist was wahres dran …

Kunst

Das Feld der künstlerischen Vielfalt wäre ohne die Fotografie so viel ärmer. Zu diesem Feld gehört für mich auch gesondert die Fotomontage. Großartige Fotografien wären ohne diese Bearbeitung nicht möglich. Die künstlerische Kreativität erhöht sich um ein Vielfaches: Neben der unterschiedlichen Wahl von Belichtung, Motiv, Anordnung, Format, Farbtemperatur oder Blickwinkel gesellen sich die unzähligen Möglichkeiten, welche die diversen Bildbearbeitungssoftwares bieten – der Fotograf wird zum „Fotomacher“ und entledigt sich jeglicher Grenzen.

Licht

Schon der amerikanische Fotograf Alfred Stieglitz (1864-1946) wusste: „Wo Licht ist, kann man fotografieren.“ Der Ursprung jedes gelungenen Fotos befindet sich demzufolge etwa 150 Millionen Kilometer entfernt von der Erde – in der Sonne. Dieses Licht braucht etwas über acht Minuten, um die Entfernung zwischen den zwei Himmelskörpern zu überbrücken. Das Licht beeinflusst, wie wir die Welt und die darauf befindlichen Objekte oder Motive wahrnehmen. Licht ist nämlich nicht nur wichtig, um zu fotografieren, sondern zu allererst auch der Ursprung unseres Sehens.

Geschichte

Als ehemaliger Geschichtsstudent ist es für mich eine Herzensangelegenheit, diesen Punkt nicht unerwähnt zu lassen: Die Fotografie löste Zeichnungen, Gemälde und Malerei ab und ist auch nach der Entwicklung des Bewegtbildes ein wichtiger Bestandteil der Geschichtsschreibung. Viele Fotografien gingen um die Welt und zeigten etwa das Grauen des Krieges, das Leiden der Opfer oder den Triumph der Sieger. Hierzu bediente sich das Foto oftmals der Macht der Emotionen: Die originalgetreue Abbildung der Gesichtszüge und der damit verbundenen Emotionen der Beteiligten, verstanden es wie kaum ein anderes historisches Zeugnis, den Moment einzufangen. Auf der anderen Seite ermöglichen uns diese Abbildungen einen wertvollen Einblick in die architektonische, infrastrukturelle oder atmosphärische Vergangenheit von Städten, Ländern und Gemeinden – ein wunderschöner und nostalgischer Blick in längst vergangene Zeiten.

… einfach schön

Allein die Tatsache, dass Fotografie so viel sein kann, macht es für mich zu etwas ganz besonderem. Jeder hatte schon einmal eins in den Händen, hat selbst eines geschossen oder dadurch schöne Erinnerung haltbar machen können. Es konserviert Erinnerungen an Familien, die große Liebe oder gute Freunde; es bringt uns zum Schmunzeln, macht uns nachdenklich oder ermöglicht ungeahnte Blickwinkel.– Es ist einfach schön!

Inspiration: Magazin, Foto und Video – Sammler Edition. 175 Jahre Fotografie.

Quellen:
http://www.welt.de/kultur/history/article13794477/Wie-Stalin-und-Ulbricht-Fotos-retuschieren-liessen.html
http://www.photoindustrie-verband.de/artikel/175-jahre-fotografie-ein-geschenk-an-die-welt

2 Comments

  1. Eine Interessante Gedanken und sehensweise …dein Artikel hat mich jetzt auch zu nachdenken gebracht was für mich Fotografie ist … die Antworten wen ich die Finde werden bestimmt interessant

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